Ein großer Teil des Wiener Wohnungsbestands stammt aus der Gründerzeit – vor allem in den Bezirken innerhalb des Gürtels sowie in Teilen von 15, 16 und 17. Diese Wohnungen sind schön, hell und hoch. Für einen Umzug sind sie die anspruchsvollste Gebäudeart der Stadt, und zwar aus Gründen, die man erst am Umzugstag bemerkt, wenn man nicht vorher misst.
Was den Altbau anders macht
- Raumhöhen von drei Metern und mehr. Kästen, die für solche Räume gebaut oder gekauft wurden, passen in kein modernes Stiegenhaus und oft nicht einmal durch die eigene Wohnungstür, wenn sie am Stück bleiben sollen.
- Wendeltreppen und Podeste. Nicht die Stufenbreite ist das Problem, sondern der Radius und der Handlauf. Ein langes Möbelstück lässt sich in der Kurve nicht kippen.
- Der Lichtschacht in der Mitte des Stiegenhauses schränkt den nutzbaren Platz weiter ein.
- Schmale, hohe Türen mit Stock: Die lichte Breite ist regelmäßig geringer als die des Türblatts vermuten lässt.
- Mezzanin und Halbstock. Was im Mietvertrag als zweiter Stock steht, sind real oft vier Stiegenläufe.
Der Personenaufzug ist oft keine Hilfe
Viele Altbauten haben inzwischen einen nachträglich eingebauten Aufzug. Der ist für Menschen und Einkäufe gedacht, nicht für Möbel: Die Kabinen sind klein, häufig nur für wenige Personen zugelassen, und die Innenmaße reichen für Waschmaschine oder Kühlschrank oft nicht aus. Dazu kommt, dass solche Aufzüge nicht selten nur die Halbstöcke anfahren – Sie tragen also trotzdem einen halben Stiegenlauf.
Messen Sie deshalb vor der Besichtigung die Innenmaße der Kabine inklusive Höhe und melden Sie uns die Tragfähigkeit. Ein Satz am Telefon spart am Umzugstag eine Stunde Improvisation.
Möbellift: wann er sich rechnet
Ein Außenaufzug transportiert Möbel über die Fassade direkt zum Fenster oder Balkon. Ab dem dritten Stock ohne brauchbaren Lift, bei sperrigen Einzelstücken oder bei einem sehr engen Stiegenhaus ist er häufig nicht der Luxus, für den ihn viele halten, sondern die günstigere Variante – weil er Tragezeit einspart, die sonst pro Stunde abgerechnet wird.
Damit er eingesetzt werden kann, müssen aber mehrere Dinge zusammenpassen:
- Aufstellfläche auf der Straße. Der Lift braucht einen stabilen Standplatz mit ausgefahrenen Stützen – in der Praxis heißt das eine Halteverbotszone, und zwar eine großzügig bemessene.
- Freie Anfahrt an der Fassade. Vorbauten, Erker, Balkone und Bäume können den Weg blockieren.
- Oberleitungen. In Wien ist das der Punkt, der am häufigsten unterschätzt wird: In Straßen mit Straßenbahn ist ein Möbellift wegen der Fahrleitung oft gar nicht oder nur eingeschränkt einsetzbar. Prüfen Sie das früh, wenn Ihre Adresse an einer Bim-Linie liegt.
- Ein ausreichend großes Fenster oder ein Balkon, durch das die Stücke tatsächlich passen. Auch hier gilt: messen, nicht schätzen.
Wenn der Kasten nicht durchs Stiegenhaus passt
Dann wird demontiert. Das ist Routine, hat aber eine Einschränkung, über die man vorher sprechen sollte: Massivholz und gut gebaute Möbel vertragen mehrere Auf- und Abbauten problemlos. Möbel aus beschichteten Spanplatten halten selten mehr als zwei bis drei Zyklen, weil die Verbindungen im weichen Material ausreißen. Bei einem alten, schon mehrfach umgezogenen Kastensystem ist die ehrliche Frage manchmal, ob sich der Transport überhaupt lohnt. Mehr dazu im Beitrag über Küchen- und Möbeldemontage.
Das Stiegenhaus gehört allen
Kratzer an Wand, Handlauf oder Stufen sind der klassische Anlass für eine unangenehme Nachricht der Hausverwaltung – oft Wochen später, wenn sich niemand mehr erinnert, wer sie verursacht hat. Deshalb:
- 1Vorher fotografieren. Stiegenhaus, Handlauf, Wohnungstür, Lift. Mit Datum. Das ist Ihr Nachweis über den Zustand vor dem Umzug.
- 2Abdecken. Kantenschutz an neuralgischen Stellen, Decken auf den Stufen, wenn der Belag empfindlich ist.
- 3Hausverwaltung informieren, wenn das Haus das verlangt – in vielen Häusern ist der Umzugstermin anzumelden.
- 4Nach dem Umzug prüfen und, falls doch etwas passiert ist, sofort melden. Ein gemeldeter Schaden ist eine Kleinigkeit, ein entdeckter ist ein Streit.
Zeitaufwand realistisch einschätzen
Dieselbe Wohnungsgröße braucht im vierten Stock ohne Lift deutlich länger als im Neubau mit Aufzug – Stockwerk und Trageweg sind die beiden größten Kostentreiber überhaupt, noch vor der Möbelmenge. Wer den Aufwand für eine Altbauadresse mit einem Neubau-Richtwert plant, plant zu knapp. Wie sich das auf den Preis auswirkt, steht in Was kostet ein Umzug in Wien.
Vor der Besichtigung messen
- Lichte Breite und Höhe der Wohnungstür und der Haustür
- Engste Stelle im Stiegenhaus, meist in der Kurve
- Innenmaße und Tragfähigkeit des Aufzugs, falls vorhanden
- Raumhöhe und Höhe der größten Möbelstücke
- Fensterbreite, falls ein Möbellift infrage kommt
- Tatsächliche Anzahl der Stiegenläufe, nicht die Stockwerksangabe
Wir schauen uns Altbauadressen vor dem Termin gerne persönlich an – gerade hier ist eine Ferndiagnose wenig wert. Die Besichtigung ist kostenlos: Anfrage stellen.
Umzug oder Entrümpelung geplant?
Wir sind in 1220 Wien zuhause und in ganz Wien, Niederösterreich und darüber hinaus unterwegs. Besichtigung und Angebot sind kostenlos und unverbindlich.
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